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Blog für Kinder- und Jugendliteratur

Ein Blick auf die DDR: objektiv und zugleich persönlich

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Susanne Fritsches “Die Mauer ist gefallen”

Wer vor 20 Jahren und später in Deutschland geboren wurde, hat das Glück, in einem ungeteilten Land aufgewachsen zu sein. Die Deutsche Demokratische Republik ist seit 19 Jahren Geschichte. Das Wissen um die Geschichte der DDR und der sogenannten “Wende” ist nicht nur bei jungen Menschen in Deutschland, sondern auch bei vielen älteren “Wessis” erstaunlich dürftig. Susanne Fritsches Die Mauer ist gefallen sei daher nicht nur Jugendlichen, den eigentlichen Adressaten dieser kleinen Geschichte der DDR, empfohlen, sondern allen, die ihrem Wissen auf die Sprünge helfen möchten ohne dicke Abhandlungen lesen zu wollen.

Zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls sind eine Reihe von Titeln über die ehemalige DDR und den Mauerfall erschienen, Die Mauer ist gefallen von Susanne Fritsche zählt ganz bestimmt zu den Besten. Erschienen ist die Erstausgabe bereits 2004 bei Hanser, seit 2005 liegt das Buch in der Reihe Hanser bei dtv als Taschenbuch vor, im Herbst 2009 ist eine überarbeitete Neuauflage erschienen.

Cover Die Mauer ist gefallen

(c) dtv, München 2009

Entstanden ist das Buch als Diplomarbeit, Susanne Fritsche hat Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar studiert. Und genau darin liegt das Geheimnis dieses Buches: denn Die Mauer ist gefallen. Eine kleine Geschichte der DDR ist kein Auftragstitel zum 20jährigen Mauerfall und nicht mit einseitigem Blick auf die jugendlichen Adressaten entstanden.

Vielmehr wird darin ein Blick aus der Perspektive eines jungen Menschen auf die DDR geworfen, der die ersten zehn Lebensjahre im real existierenden Sozialismus verbracht hat. Deshalb erhält das Leben von Kindern in Alltag, Schule und als Junge Pioniere besondere Aufmerksamkeit, wird aber nicht in den Vordergrund gestellt. Die Fakten über die DDR und deren Zusammenbruch machen das Werk aus und werden anschaulich und kurzweilig dargestellt.

Susanne Fritsche versteht es hervorragend, die nicht einfachen historischen, politischen, ideologischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten zu formulieren. Im Fließtext erwähnte Fachbegriffe, Bezeichnungen und Personen werden am unteren Seitenrand in kurzen Infotexten erläutert. So kann das Buch auch als Nachschlagewerk benutz werden. In kurzen, einfachen Sätzen erklärt Fritsche stilsicher komplexe Zusammenhänge, ohne sich dabei bevormundend oder anbiedernd an die jungen Leser zu wenden, denn diese befinden sich auf Augenhöhe.

Die Autorin wurde 1979 in Thüringen geboren und bringt ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse ein, ohne das Feld der Objektivität zu verlassen. Aber anhand von Beispielen wie dem Bericht über den Kauf eines Farbfernsehers oder Abbildungen von eigenen Gegenständen und Fotografien erhält diese Geschichte der DDR eine persönliche Note.

Dass es sich ursprünglich um eine Arbeit aus dem Fachgebiet der Visuellen Kommunikation handelt, ist dem Buch aufs positivste anzusehen. Satzspiegel, Schrifttype, Layout und Abbildungen – alles sparsam und ausgewogen eingesetzt – führen dazu, dass dieses Buch auch ästhetisch überzeugt.

Gerne würde man weitere Bücher von Susanne Fritsche lesen und betrachten.

(Kirsten Waterstraat, 09.11.2009)

 

Susanne Fritsche
Die Mauer ist gefallen
Eine kleine Geschichte der DDR
Mit Abbildungen
dtv, Reihe Hanser
Aktualisierte Neuausgabe
Euro 9,95 [D]

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