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Die nächste GENeration. Science + Fiction

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Wie wurde eigentlich das Schaf “Dolly“ geklont? Und wie entwickelt sich die Gesellschaft, wenn genetisches Menschen-Design eines Tages möglich wird? Die nächste GENeration, herausgegeben von Charlotte Kerner, setzt sich mit Geschichte, Möglichkeiten und Gefahren der Gentechnik auseinander.

Der Begriff Science-Fiction wird wörtlich genommen und verschiedene Themen wie “Klonen“ oder “Länger leben“ in sachlichen sowie fiktionalen Texten ausgeführt. Sachtexte und Interviews mit Wissenschaftlern stellen Aspekte der aktuellen Genforschung dar, Kurzgeschichten und “Kommentare aus der Zukunft” spinnen diese in Near-Future-Szenarien weiter. Jedes Kapitel wird als Denkanstoß mit einem Porträt und Kurzprofil eines Menschen aus der Zukunft eröffnet.

Generation

© Beltz & Gelberg

Der Aufbau des Buches ist verwirrend; die vielen unterschiedlichen Textsorten werden nur durch farbige Überschriften gekennzeichnet. Ein klareres Layout, das Fakt und Fiktion deutlich trennt, würde die Orientierung erleichtern.

Die Kurzgeschichten sind nicht plausibel, so stimmt die Weiterentwicklung der Gentechnik in den Zukunftsszenarien oft nicht mit der sonstigen Technik überein; warum sollte man sich etwa in Zeiten, in denen genetisches Menschen-Design möglich ist, noch SMS schreiben? Manche Stellen wirken gar unfreiwillig komisch, wenn sich zum Beispiel im Jahre 2012 “Jugendliche im Westjordanland mit einer Mädchengruppe von Attac“ zusammentun, um eine Datenbank zu hacken; “Die einen ‘aus Hass auf den Westen‘, die anderen wegen ‘immer noch zu starker Frauendiskriminierung‘“.

Altmodisches Vokabular wie “Flegel“, “Schmonzes“ oder “mampfen“ wirkt in den futuristischen Szenarien anachronistisch. Spätestens, wenn Computerkriegsspiele verdammt und Bushido als Sinnbild des Bösen angeführt wird, fragt man sich, ob Die nächste GENeration nicht vielleicht auch von der nächsten Generation hätte geschrieben werden sollen; von Digital Natives statt von Silversurfern.

Wortspiele und Metaphern werden überstrapaziert. Im “Kommentar aus der Zukunft” zum Thema Einfrieren nach dem Tod beispielsweise ist von “frostigen Friedhöfen“ und der “Eiszeit“ am Lebensende die Rede, die nur ein “eiskaltes Geschäft“ ist, ebenso wie die Adoption von “Tiefkühlwaisen“, dank der sich Eltern ein “baby cool“ anschaffen können. Angesichts dieses Stils und der Polemik, die sogar in den Sachtexten durchschlägt, kann man sich beim Lesen nur schwer “im Zaun halten“. Apropos Redaktionsfehler, eine automatische Rechtschreibprüfung hätte die vereinzelten Buchstabendreher und falschen oder fehlenden Satzzeichen und sicher auch den unvollständigen Satz auf Seite 131 verhindert. All das ist so störend, dass man kaum dazu kommt, sich mit den sachlichen Inhalten (und deren Korrektheit) auseinanderzusetzen.

Schon in ihrem Klon-Roman Blaupause – Blueprint versuchte Charlotte Kerner Science und Fiction zu vereinen. Im Feuilleton wurde ihre “Factasy“, wie sie es nennt, hochgelobt, der Roman gewann im Jahr 2000 gar den Jugendliteraturpreis. In krassem Gegensatz dazu steht die Lesermeinung: 62 von 95 Kundenrezensionen bei Amazon bewerten das Buch mit nur 3 Sternen oder weniger. Diese auseinanderklaffende Rezeption scheint sich bei Die nächste GENeration zu wiederholen; die Jury nominierte das “anspruchsvolle Sachbuch“ unter anderem wegen seiner guten Gliederung und überzeugenden Mischung von Fakt und Fiktion für den Jugendliteraturpreis.

Charlotte Kerner (Hrsg.)
Mitautorinnen: Susanne Paulsen und Claudia Eberhard-Metzger
Die nächste GENeration: Science + Fiction
Weinheim, Basel: Beltz & Gelberg 2009
EUR 19,95 (D)
Empfehlung des Verlags: Ab 14 Jahre

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