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“wenn du das Herz der Steine schlagen hörst”

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“Gedicht für einen Goldfisch” von Jean-Pierre Siméon und Olivier Tallec

Was ist eigentlich ein Gedicht? fragt sich Arthur und begibt sich auf die Suche, um seinen kranken Goldfisch zu retten, der nur durch ein Gedicht genesen kann.

Zu Hause hat Arthur zunächst keinen Erfolg, weder die Nudeln im Küchenschrank noch der Scheuerlappen kennen ein Gedicht. „Kein Gedicht – nur schlechte Sicht, hustet der Staub.“
Also sucht Arthur weiter bei den Menschen, die ihn im Alltag umgeben. Und die wissen was ein Gedicht ist. Ob Oma, Opa, die Bäckersfrau oder die Nachbarn, jeder hat seine eigene Interpretation, die er Arthur mit auf dem Weg gibt. Arthur ist erstaunt: „Ach so? Gut, gut.“ erwidert er jedes Mal und ist am Ende doch völlig verwirrt. Denn ein Gedicht, so ist er sich sicher, hat er trotz der zahlreichen Antworten noch immer nicht gefunden. Und so versucht er seinen Goldfisch mit dem zu heilen, was er auf seiner Suche gelernt hat:

Gedichte, das sind Sachen,
wie sie die Dichter machen.
Beim Gedicht, mein lieber Junge,
hast du den Himmel auf der Zunge.
Man kann es auch noch anders sagen:
es ist wie frisches Brot im Magen.
Du hörst das Herz der Steine flattern,
wenn Wörter mit den Flügeln knattern,
und landen sie dann auf dem Kopf
in Herrn Mahmuds Blumentopf
,dann lassen sie Gefangne frei
und die Welt ist wieder neu.

In Gedicht für einen Goldfisch erzählt Jean-Pierre Siméon auf leise und anschauliche Art, wie viel Poesie in unserem Alltag steckt. Geschickt verpackt er dabei Arthurs Suche nach einem Gedicht wiederum in ein Gedicht. Mit Feingefühl hat Franz Hohler den Text ins Deutsche übersetzt. Die farbenfrohen und leuchtenden Illustrationen von Olivier Tallec sind voller Poesie und Zartheit, sodass sich Text und Bild auf wunderbare Art verbinden.

Inwieweit das Buch dazu beiträgt, Kindern ab fünf Jahren Lyrik näher zu bringen, lässt sich sicherlich kontrovers diskutieren. Der Text ist ohne Zweifel sehr schön, aber auch sehr anspruchsvoll. Verstehen Vorschulkinder das Ende des Buches, wenn der Goldfisch dank Arthurs Gedicht wieder gesund wird und erkennt, dass er selbst auch ein Dichter ist: „Ich bin ganz still, ich spreche nicht und das ist mein Gedicht.“ ?
Für wen der Text noch zu anspruchsvoll ist, kann aber auch einfach Tallecs Bilder betrachten. Die eigenen sich ganz wunderbar, eigene Geschichten zu erfinden. Und wer weiß, vielleicht entsteht, ohne dass man es ahnt, sogar ein Gedicht.

Sandra Ladwig

Jean-Pierre Siméon (Text), Olivier Tallec (Illustration)
Gedicht für einen Goldfisch
Aus dem Französischen von Franz Hohler
2009 Gerstenberg Verlag, Hildesheim
€ 9,90 (D)
Empfehlung des Verlags: Ab 5 Jahren

Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010, Sparte Bilderbuch

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